Was sind Wortfindungsstörungen überhaupt?
Manche erleben es so, als läge ihnen das Wort auf der Zunge. Viele beschreiben es als „es liegt mir auf der Zunge“. Manche umschreiben den Gegenstand stattdessen, greifen zu einem allgemeinen Wort wie „Dings“ oder brechen den Satz ab. Gelegentlich passiert das jedem, und mit zunehmendem Alter häufiger.
Wann muss ich sofort den Notruf wählen?
Wenn die Schwierigkeiten beim Sprechen, Wörterfinden oder Verstehen plötzlich und deutlich auftreten. Das kann ein Schlaganfall sein. Rufen Sie dann 112, auch ohne Lähmung und auch dann, wenn die Beschwerden schon wieder nachlassen. Weitere mögliche Zeichen sind eine einseitige Schwäche, ein hängender Mundwinkel, plötzliche Sehprobleme, schwere Gleichgewichtsstörungen oder ungewöhnlich heftiger Kopfschmerz. Es müssen nicht alle gemeinsam auftreten.
Welche Ursachen kommen sonst infrage?
Stress und Anspannung können den Wortabruf erschweren, Müdigkeit kann Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen. Daraus folgt keine Entwarnung für anhaltende Beschwerden. Behandelbar sind unter anderem eine Depression oder Angst, eine Schilddrüsenstörung, ein Vitamin-B12-Mangel und Nebenwirkungen von Medikamenten. Bei Medikamenten spielt vor allem die anticholinerge Belastung eine Rolle; für Topiramat sind Wortfindungsprobleme ausdrücklich dokumentiert. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, sondern lassen Sie Ihre Medikamente in der Praxis durchsehen.
Kann eine Demenz dahinterstecken?
Alzheimer kann Sprache und Wortabruf beeinträchtigen. Es gibt auch eine Form, bei der Sprachprobleme am Anfang im Vordergrund stehen und Gedächtnisprobleme zunächst fehlen: die primär progressive Aphasie. Sie ist ein Krankheitsbild mit verschiedenen Ursachen und nicht dasselbe wie eine frontotemporale Demenz. Aus einem einzelnen Wortfindungsproblem lässt sich keine dieser Diagnosen ableiten.
Was passiert in der Hausarztpraxis?
Machen Sie einen Termin, wenn Wortfindungsprobleme neu auftreten, häufiger werden, zunehmen oder Gespräche und Alltag erschweren. Maßstab ist die Veränderung gegenüber Ihrem bisherigen Alltag, nicht eine Punktzahl. Zuerst ein Gespräch: seit wann, plötzlich oder schleichend, in welchen Situationen, welche Folgen im Alltag. Dazu Stimmung, Schlaf, Erkrankungen und Medikamente. Mit Ihrem Einverständnis helfen Beobachtungen einer nahestehenden Person. Danach eine körperliche und neurologische Untersuchung, bei der auch Sprache und Verständnis geprüft werden. Ergibt sich ein Verdacht auf eine kognitive Störung, folgt ein Basislabor mit Blutbild, Elektrolyten, Leber- und Nierenwerten, CRP, Schilddrüsenwert und Vitamin B12. So steht es in der S3-Leitlinie Demenzen. Je nach Befund folgen Neurologie oder Gedächtnisambulanz, eine ausführliche sprachliche Diagnostik und gegebenenfalls eine Bildgebung. Nicht jedes gelegentlich fehlende Wort führt zu einer vollständigen Demenzdiagnostik.
Warum zwei verschiedene Wortaufgaben?
Tiernamen zu nennen greift auf ein Bedeutungsfeld zu, Wörter mit S auf den Anfangsbuchstaben. In Untersuchungen mit gesprochenen Antworten wird ein Abstand so gelesen: Fallen deutlich weniger Tiernamen als S-Wörter ein, können gespeicherte Wörter schwerer erreichbar sein; sind beide ähnlich niedrig, kann das allgemeine Tempo mitspielen. Für diese getippte Fassung ist das nicht geprüft, und unsere beiden Prüfungen sind verschieden streng: bei den Tieren gleichen wir gegen eine Wortliste ab, bei den S-Wörtern nur den Anfangsbuchstaben. Deshalb deuten wir Ihren Abstand nicht. Eine Grenze, ab der ein Abstand auffällig wäre, gibt es hier nicht: dafür fehlen belastbare Vergleichswerte.
Was sagen die drei Aufgaben auf dieser Seite aus?
Sie beschreiben einen einzelnen Durchgang: wie viele Tiernamen und wie viele Wörter mit S Sie in je einer Minute eingegeben haben und wie Sie zehn Bilder zugeordnet haben. Sie sind an keinem geprüften Verfahren ausgerichtet und haben keine Grenzwerte. Ein unauffälliger kognitiver Kurztest schließt für sich genommen ohnehin keine Demenz aus — diese Aufgaben können es erst recht nicht.